Halloween und Samhain: Ursprünge, Mythologie und Wandel

Wenn das Licht des Jahres schwindet und die Abende sich über die Felder legen, öffnet sich eine Schwelle, die Menschen seit Jahrhunderten spüren. Die Ernte ist eingebracht, die Herden stehen unter Dach, und die Landschaft zieht sich in sich selbst zurück. An diesem Punkt im Jahreskreis, wo die Helligkeit der Dunkelheit weicht, liegt eine alte Wahrnehmung von Zeit. Samhain markiert in den keltischen Traditionen Irlands genau diesen Übergang.

Herbstlicher Waldweg im Nebel

Samhain in Irland

In den mittelalterlichen irischen Texten erscheint Samhain als einer der vier großen Festpunkte des Jahres, neben Imbolc, Bealtaine und Lughnasadh. Es bezeichnet das Ende des Sommers und den Beginn der dunkleren Hälfte, die Zeit, in der das Land zur Ruhe kommt und die Arbeit auf den Feldern endet. Die frühesten Belege stammen aus dem neunten Jahrhundert, darunter das „Tochmarc Emire“, in dem die vier Feste aufgeführt werden, und das „Serglige Con Culainn“, das von einer mehrtägigen Versammlung der Ulster berichtet.

Großes Feuer in der herbstlichen Landschaft unter Sternenhimmel für den historischen Kern von Samhain.

Diese Texte schildern Samhain als Zeit großer Zusammenkünfte, bei denen sich Menschen zu Festen, Spielen und Beratungen trafen. Zugleich gelten sie als Momente, in denen die Grenze zur Anderswelt durchlässiger wird. Die Sídhe, die Grabhügel und Hügelgräber, die als Tore zur Anderswelt verstanden wurden, standen offen.

Moosbedeckter Hügel mit steinernem Eingang, Nebel, warmes Restlicht über die Anderswelt.

Übernatürliche Wesen konnten in die menschliche Welt eintreten, und Helden begegneten in den Erzählungen Schicksalen, die nur an diesem Tag möglich schienen. Die Quellen beschreiben wiederkehrende Erzählmuster, in denen das Übernatürliche besonders nah und gefährlich erscheint. Ronald Hutton fasst die mittelalterliche Überlieferung so zusammen, dass Samhain eine Zeit war, in der das Übernatürliche besonders präsent und die gewöhnliche Ordnung der Dinge gelockert war. Die Texte stammen von christlichen Schreibern, die Jahrhunderte nach der Christianisierung Irlands schrieben. Ob Samhain als Beginn eines neuen Jahres galt, lässt sich aus den frühen Quellen nicht eindeutig belegen. Die Vorstellung eines keltischen Neujahrsfestes entstand erst in späteren Interpretationen.

Halloween und das Christentum


Mit der Ausbreitung des Christentums veränderten sich die Bezüge zu diesem Zeitpunkt im Jahreskreis. Das Fest Allerheiligen entstand unabhängig davon. Papst Bonifatius IV. weihte 609 oder 610 das Pantheon in Rom der Jungfrau Maria und allen Märtyrern, und dieses Gedenken lag zunächst im Mai. Im achten Jahrhundert widmete Gregor III. eine Kapelle in der Peterskirche allen Heiligen und verknüpfte das Gedenken mit dem 1. November. Gregor IV. machte es im neunten Jahrhundert zur allgemein verbindlichen Feier.

Historiker wie Hutton weisen darauf hin, dass der Novembertermin in Teilen des nördlichen Europas bereits vorher auftaucht und nicht eindeutig als gezielte Überlagerung eines irischen Samhain-Festes nachweisbar ist. Dennoch entstand in der Volkskultur eine Nähe zwischen den Terminen. Der Vorabend von Allerheiligen, All Hallows’ Eve, wurde zum Ausgangspunkt für Bräuche, die sich mit dem Jahreswechsel verbanden. In Irland und Schottland hielten sich lokale Formen des Gedenkens und der Vorsicht gegenüber der Nacht.

Ausgehöhlte Rübe mit einfachem Gesicht und Kerzenlicht (kein Kürbis)

Dazu gehörten Laternen aus ausgehöhlten Rüben, das Verkleiden und das Umherziehen von Haus zu Haus.

Halloween heute


Im neunzehnten Jahrhundert trugen irische und schottische Auswanderer diese saisonalen Bräuche nach Nordamerika. Besonders nach der großen Hungersnot in Irland gelangten viele Menschen in die Vereinigten Staaten. Dort trafen die mitgebrachten Gewohnheiten auf eine andere Landschaft und andere Früchte. Die Rübe, die in der alten Heimat ausgehöhlt und mit einem Gesicht versehen worden war, wich dem Kürbis. Aus dem Umherziehen mit Laternen und Verkleidungen entstand im Laufe der Jahrzehnte das Trick-or-Treat. Im zwanzigsten Jahrhundert verwandelte sich Halloween in den Vereinigten Staaten zu einem Fest des Kostüms, der Süßigkeiten und der öffentlichen Unterhaltung.

Es löste sich weitgehend von den religiösen und jahreszeitlichen Bindungen, die Allerheiligen und die älteren Schwellenbräuche geprägt hatten.
Die Schwellenzeit am Ende des Herbstes bleibt dennoch eine Erfahrung. Die Tage werden kürzer, die Landschaft stiller, und die eigenen Gedanken wenden sich leichter dem zu, was vergangen ist oder noch nicht sichtbar geworden ist. Die alten Texte erzählen davon, dass an bestimmten Punkten des Jahres die gewohnte Ordnung nachgibt. Wer heute an dieser Schwelle innehält, kann spüren, dass der Wechsel von Helligkeit und Dunkelheit mehr ist als ein Kalenderdatum.

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